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Mittwoch, 05. September 2018

Interview mit eSports Verein plan-B

In den letzten Jahren entwickelte sich eSports zu einem globalen Phänomen. Weltweit begeistern sich Millionen von Fans und Spielern für das kompetitive Gaming. Die Branche wächst dementsprechend rasant und schon 2021 sollte laut Marktforschern der Umsatz auf ca. 1,65 Milliarden US-Dollar steigen. Auch in der österreichischen eSports-Szene passiert immer mehr. Im März fand das erste eSports-Festival statt und kommenden Freitag (7. September) haben die österreichischen Gaming-Aficionados die Möglichkeit, beim ersten eSports-Summit zu networken.

Wir haben mit den Vertretern des österreichischen eSports-Vereins plan-B über die Branche, ihre Entwicklung und Zukunft gesprochen.


Interview mit eSports Verein plan-B
vlnr. Christopher "Se7enSins" Knauseder, Tobias "DrysTc" Lukes, Roman "HeroRay" Hungersberger, Josef "cKy" Pfemeter, Stefan "H1T" Wohlauf, Marko "Viri" Grühl

Interwetten: Wie kamt ihr zum eSport und was fasziniert euch besonders daran?

Christopher Knauseder: Jeder Spieler im Team war seit Beginn der jeweiligen "Gamer-Karriere", im Schnitt im Alter ab 14-15 Jahren, begeistert von LAN's sowie Online-Turnieren, einige konnten vor der Gründung des gemeinsamen Overwatch-Teams schon kompetitive Erfahrungen mit anderen Spielen wie zB. Call of Duty, League of Legends oder Counter-Strike sammeln. Somit war von Anfang an klar, dass man auch in Overwatch mitmischen wollte, um sich einen Platz in der Szene zu erkämpfen. Faszinierend am eSport finde ich vor allem die jeweilige Herangehensweise und Strategie jedes Teams, den Austausch mit anderen Spielern sowie den Hype im Game, wenn alles so läuft wie geplant und sich jeder im Team gegenseitig hochpusht.

Josef Pfemeter: Bei mir war es die altbekannte Geschichte: Meine Schwester ist 9 Jahre älter und schon recht früh in die Stadt nach Wien gezogen, ihr Freund spielte Counter-Strike und hat es mir beigebracht. Ich glaub ich war ca. 11 Jahre alt und habe es dann immer in den Ferien gezockt, wenn ich bei ihnen für eine Woche in den Schulferien war. 2004 habe ich dann zu Ostern von meiner Schwester CS geschenkt bekommen und von meinen Eltern das erste vernünftige Internet, damit ich auch richtig spielen konnte. So nahm das Ganze dann Fahrt auf. Am interessantesten find ich den taktischen Aspekt, den jedes Spiel mit sich bringt. Du musst dir immer etwas Neues ausdenken, um deine Gegner zu überraschen und auf dem Falschen Fuß zu erwischen.

Wer hatte die Idee einen eSports-Verein zu gründen?

Christopher Knauseder: Unser Overwatch-Team war zuerst eigentlich als reines Amateur-Team angedacht, da es jedoch so gut funktioniert hat und wir die Österreichische Staatsmeisterschaft 2017 gewinnen konnten, wurden wir von plan-B eSports eingeladen, ein Teil des Vereins zu sein. Dieses Angebot wurde mit Begeisterung angenommen.

Josef Pfemeter: Die Idee, einen eigenen Verein zu gründen, schwebte mir eigentlich schon lange vor. Seitdem ich 2012 als aktiver Spieler zurückgetreten bin, wusste ich immer das ich im eSport etwas machen will, jedoch nicht mehr als aktiver Spieler, da mir einfach die Motivation komplett abhanden gekommen ist, jedoch fehlte mir aufgrund von Ausbildungen die Zeit, das Ganze vernünftig zu realisieren. 2017 habe ich dann die Möglichkeit bekommen "plan-B eSports", einen der ältesten eSports-Vereine der Welt und den erfolgreichsten in Österreich, als Obmann zu übernehmen. Nach einer extrem langen Planungsphase, Schaffung der benötigten Grundstrukturen sowie auch nachdem ich Vertrauenspersonen, die mir bei dem Projekt helfen, gefunden habe, war es dann endlich soweit und ich konnte meinen Traum realisieren.

Könnt ihr uns etwas über euren Verein erzählen? Wann wurde er gegründet? Wie kann man Mitglied werden? Was sind die Vorteile einer Mitgliedschaft?

Josef Pfemeter: plan-B eSports wurde als Clan am 14. Februar 1996 gegründet, am 26. Februar 2003 beantragten wir die offizielle Eintragung als Verein. Wir dürfen uns wohl mit unzähligen Staatsmeister-Titeln, EPS-Titeln und internationalen Titeln als den erfolgreichsten eSports-Verein Österreichs nennen. Ich würde sagen, vor allem die professionelle Einstellung und der Wille, wirklich erfolgreich in dem Spiel zu sein, machen unsere Mitglieder aus. Die Vorteile für die Mitglieder sehe ich im Support von uns und unseren Partnern, in finanzieller und mentaler Hilfeleistung. Wir, also die Manager, waren selber professionelle Spieler, somit wissen wir, worauf es ankommt. Und auc neben den Spiel-Servern können unsere Spieler jederzeit zu uns kommen, wenn sie Hilfe benötigen, und wir stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Wenn jemand Mitglied werden möchte, kann er uns gerne eine Email senden, wir beantworten jede Anfrage gewissenhaft.

eSports wird salonfähig, wie habt ihr die Entwicklung der letzten Zeit wahrgenommen?

Christopher Knauseder: Vor allem in den letzten 2 Jahren hat sich sehr viel getan. Immer wieder schießen neue wöchentliche oder monatliche Turniere aus dem Boden und auch große Turniere oder Veranstaltungen werden immer mehr. Auch wird in öffentlichen Medien immer mehr Werbung gemacht, was zum Stetigen Wachstum beiträgt.

Josef Pfemeter: Die Entwicklung der letzten Zeit war durchaus positiv, wobei man bei dieser rasanten Steigerung der Popularität immer sehr vorsichtig sein muss. Viele Firmen erkennen den momentanen Hype und versuchen natürlich, sich in der Szene zu positionieren, nur sind auch genau diese Firmen oft die ersten, die auch direkt wieder verschwunden sind, sollte es doch nicht so laufen, wie sie es sich vorstellen. Das kann natürlich besonders in einem kleinen eSports-Land wie Österreich große Schäden hinterlassen. Dieses ganze Szenario hatten wir vor rund 10 Jahren schon einmal, als die ESL die DACH-Region aufgelöst hat und Österreich, Schweiz und Liechtenstein in einer eigenen Liga vermarkten wollte. Wir hatten damals z.B. ein Counter-Strike-Team, das im Finale der deutschen Meisterschaft spielte und eines der stärksten Teams im ganzen deutschsprachigen Raum war. Nach dieser Ligen-Trennung mussten wir nun gegen wesentlich schlechtere Gegner spielen, das ist für viele demotivierend gewesen, das Team löste sich auf und jeder suchte Unterschlupf in einem deutschen Team, wo natürlich das Niveau in der Liga viel höher war und sie sich auch persönlich verbessern konnten. Infolgedessen können dann auch Sponsoren abspringen, weil alles uninteressanter wird. (Man muss dazu sagen, wir hatten damals durch Fujitsu Siemens tolle Möglichkeiten, die nicht viele in Europa hatten.) 2008 kam noch die Wirtschaftskrise leider hinzu und das war dann der Todesstoß für Österreich als eSports-Land. Darum betrachte ich das Ganze mit sehr gemischten Gefühlen. Natürlich ist es gut und positiv zu bewerten, dass immer mehr Medien berichten, aber diese Stimmung kann eben auch schnell kippen.

Was waren die Gründe für die Professionalisierung der Branche?

Christopher Knauseder: Ich denke, dies steht im Zusammenhang mit der zunehmenden Präsenz von eSports in den Medien sowie mit der Tatsache, dass immer mehr große Sponsoren und Firmen in den eSport einsteigen und ein Team aufstellen bzw. ihr Eigen nennen wollen. Umso mehr Teams bestehen, umso höher ist die Chance, ein echter eSportler werden zu können bzw. auch etwas damit zu verdienen, somit ist es umso wichtiger, sich eine professionelle Organisation zu suchen, welche die Spieler unterstützt und fördert.

Josef Pfemeter: Die Hauptgründe der Professionalisierung sehe ich bei den Menschen, die seit Jahren in der Branche arbeiten und das Ganze mit viel Herzblut immer weiter vorantreiben. Dazu kommt auch das wachsende Interesse junger Menschen, die auch eSportler werden wollen und den Traum haben, eines Tages Geld damit verdienen zu können. Dadurch werden natürlich auch immer mehr Firmen und somit auch Sponsoren aufmerksam auf das Ganze und das fördert dann wiederum die Szene.

Wo steht der österreichische eSport im europäischen und internationalen Vergleich?

Christopher Knauseder: Mittlerweile im europäischen Bereich in einigen Games ist der österreichische eSport sehr stark vertreten, jedoch fehlt noch der Support einiger großer Sponsoren bzw. große jährliche Turniere oder Events. Es wird jedoch immer besser, auch aus der Sichtweise der Community, die sich permanent vergrößert.

Josef Pfemeter: Österreich ist leider ein kleiner Fleck im eSport geworden. Wir hatten eine Zeit, wo wir in einigen Spielen echte Top-Spieler hatten. Ich denke da an 2004 mit plan-B in Counter-Strike und davor das Team von "Infernum", die zu den besten Europas gezählt haben. Ein Noctis in Quake oder Mario, der mit den Schellhase-Zwillingen bei SK Gaming wohl das beste Fifa-Team stellte, das es jemals gegeben hat und vermutlich auch jemals geben wird. Wir sind wieder auf einem guten Weg, von der Quantität her haben wir Potenzial in vielen verschiedenen Spielen, das noch nie da war. Jetzt liegt es an uns - Vereinen - aus der Quantität die Qualität zu filtern und die Spieler an professionelles Spielen heranzuführen und ihnen die ersten Grundsteine für eine erfolgreiche Karriere zu legen.

Welche Bedeutung wird der eSport eurer Meinung nach in den nächsten fünf Jahren haben? Manche fordern sogar eine Aufnahme ins olympische Programm...

Christopher Knauseder: Fünf Jahre ist eine lange Zeit, wenn man bedenkt, was sich alleine in den letzten zwei Jahren getan hat, ist hier, denke ich, fast alles möglich.

Josef Pfemeter: Die Diskussion mit den Olympischen Spielen war schon vor über zehn Jahren da und ich bin noch immer derselben Meinung wie damals, wenn man sich die Zahlen und die Entwicklung des Ganzen ansieht, benötigt uns Olympia mehr als wir Olympia benötigen. Nur weil jetzt ein eSport-Titel bei Olympia gespielt wird, werden die Menschen nicht anfangen, es mehr zu akzeptieren. Die, die skeptisch sind, werden es bleiben, aber für Olympia und ihre schwindenden Zuschauerzahlen wäre es nur von Vorteil. Ich sehe das Ganze sehr gelassen. In 10-15 Jahren sind wir in dem Alter von der Generation, die jetzt noch sehr ablehnend dem Ganzen gegenüber steht und dann wird eSport einfach das Normalste auf der Welt sein.

Wie läuft ein normaler Tag bei euren Teams ab? Wie ist die Trainingsroutine, wie bereitet ihr euch auf Turniere vor, was wird für den sportlichen Ausgleich gemacht?

Christopher Knauseder: Jeden Montag versammelt man sich kurz im Voice und bespricht, was alles in der folgenden Woche ansteht, ob jemand etwas über ein neues Turnier in Erfahrung gebracht hat etc. Dann werden Trainingszeiten für die Woche vereinbart (drei bis vier Mal die Woche mindestens) und etwaige Fehler oder Probleme von letzten Spielen und Turnieren besprochen. Für den sportlichen Ausgleich ist jeder selbst verantwortlich.

Josef Pfemeter: Ich denke der Ablauf ist bei fast allen Teams derselbe, beispielsweise gehören Demoanalysen und Gegneranalysen zum Alltag. Danach werden Taktiken besprochen und getestet, wie es Christopher ja schon angesprochen hat. Bei Ligen und Turnieren versuchen wir den Spielern sämtliche organisatorische oder administrative Last von den Schultern zu nehmen, damit sie sich voll und ganz aufs Spielen konzentrieren können. Beim sportlichen Ausgleich wollen wir auch neue Wege gehen und wir sind in Gesprächen mit Fitness-Trainern, die bei sogenannten Bootcamps dabei sein werden und mit unseren Teams einige Übungen machen werden, die ihnen helfen werden den nötigen Ausgleich zu finden.

Ihr habt Demo- und Gegneranalysen erwähnt. Wie sehen diese genau aus? Wie ist der Vorgang und was kann man sich darunter vorstellen?

Josef Pfemeter: Du siehst dir genau an, wie deine Gegner spielen, welche Taktiken sie anwenden, welchen Aufbau sie zum Großteil verwenden, welche Position spielt welcher Spieler am liebsten auf den verschiedenen Maps und dann werden natürlich Gegner-Taktiken analysiert, um eine Gegentaktik darauf zu entwickeln.

Wie viel verdient ein eSportler und wie sind die Preisgelder in Österreich? Ist das genug, um ausschließlich davon leben zu können?

Christopher Knauseder: Es variiert sehr stark nach dem jeweiligen Erfolgslevel. International bekannte Teams haben ihre Spieler unter Vertrag und diese bekommen monatlich ein Gehalt ausgezahlt, so etwas funktioniert natürlich nur mit großen Sponsoren und/oder bei den Elite-Spielern, welche auch große Turniere für sich entscheiden können. In Österreich werden die Preisgelder immer höher, davon leben kann man jedoch sicher noch nicht.

Josef Pfemeter: International gesehen können schon sehr viele Spieler vom eSport leben, in Österreich kann man die Spieler, die wirklich davon leben können, vermutlich an zwei Händen abzählen. Leider fehlt hier immer noch der nötige Support von großen Firmen, um wirklich eine Offensive zu starten und mit Spielern, die das Potenzial haben, auch wirklich den Versuch zu starten, sie "Fulltime" spielen lassen zu können, um zu sehen, ob es Erfolg hat.

Ist es absehbar, dass auch in Österreich eSportler ein Hauptberuf sein kann?

Josef Pfemeter: Sowas ist schwer voraussehbar, ein erster Schritt mit A1 ist ja nun getan, wenn mehr Firmen den Mut haben und sehen, dass hier Vereine am Werk sind, die wirklich wissen, was sie machen und bereit sind, in diese zu investieren, hoffe ich, dass es bald möglich ist und ich hoffe, dass auch wir als Verein diesen Schritt schaffen werden, unsere Spieler wirklich Vollzeit spielen zu lassen. Denn das Potenzial, internationalen Erfolg zu haben, ist in Österreich gegeben, es fehlt jedem schlicht an Geldern, um dieses Potenzial auch wirklich ausschöpfen zu können.

Könnt ihr angehenden eSportler noch ein paar Tipps geben?

Josef Pfemeter: Trainiert viel, seid fokussiert, bei dem was ihr macht und lasst euch nach Niederlagen nicht unterkriegen, denn nur wer lernt zu verlieren, wird auch gewinnen können, dass Wichtigste ist, dass ihr Spaß dabei habt. Der Erfolg kommt dann von ganz alleine ;-)