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Donnerstag, 29. März 2018

Julian Nagelsmann im Interview: „Ich mag die Bundesliga genauso, wie sie ist.“

Nagelsmann Interview

Herr Nagelsmann, Sie sind nun seit rund zwei Jahren Cheftrainer bei der TSG, was waren für Sie die prägendsten Erfahrungen und Erlebnisse?

Wir haben hier in den zwei Jahren fast alle Extreme des Fußballs erlebt - zwischen Abstiegsangst und sehr großer Not bis hin zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte mit vielen Rekorden. Das dritte, was es im Fußball gibt, ist das Mittelmaß. Das erleben wir jetzt. Insofern hatten wir eine bunte Mischung und diese Höhen und Tiefen prägen einen natürlich stark.

Durch die erstmalige Qualifikation für einen Europäischen Wettbewerb, musste die Trainingssteuerung anders ausgelegt werden, bzw. konnte durch die englischen Wochen weniger trainiert werden. Würden Sie den Erfolg der letzten Saison mehr als Fluch oder Segen bezeichnen?

Wir haben ein Jahr hart für Europa gearbeitet und durch die beste Saison der Klubgeschichte die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation erreicht. Sie werden niemanden bei der TSG finden, der dies als Fluch bezeichnet. Sicher haben wir uns den ersten europäischen Auftritt anders vorgestellt, aber wir haben wichtige Erfahrungen gesammelt. Was stimmt ist, dass wir in dieser Zeit nicht im gewohnten Rhythmus trainieren konnten und mehr regenerieren mussten. Das hat es für den einen oder anderen Neuzugang natürlich etwas schwerer gemacht, sich zu akklimatisieren.

Durch die guten Leistungen sind natürlich Ihre Spieler in den Fokus finanzstärkerer Vereine gerückt. Sandro Wagner ist in der Winterpause zu den Bayern gewechselt, Mark Uth zieht es nach Schalke und auch um andere Spieler gibt es Wechselgerüchte. Auf der einen Seite ist das natürlich eine große Herausforderung, einen Kaderumbruch zu bewerkstelligen oder stört es Sie, wieder neue und junge Spieler einzubauen?

Stand jetzt geht außer Mark Uth und Serge Gnabry, der nach einer einjährigen Leihe nach München zurückkehrt, keiner. Der Reiz liegt darin, das zu bestätigen, was wir erreicht haben. Und dass wir im Sommer wieder wichtige Spieler ersetzen müssen und ein Team aufbauen, das schlagkräftig ist und vielleicht wieder überraschen kann. Der ganz große Reiz liegt für mich auch darin, Spielern den Traum zu erfüllen, den man selbst einmal hatte: Profifußballer zu werden. Das ist unsere Aufgabe bei der TSG und sie erfüllt alle, die in diesem Klub arbeiten.

Würden Sie sich vielleicht auch mehr „Aggressivität“ auf dem Transfermarkt wünschen und einen Spieler für einen zweistelligen Millionenbetrag holen?

Ich arbeite sehr eng und vertrauensvoll mit Manager Alexander Rosen zusammen. Spieler, die wir verpflichten, müssen nicht teuer ein, sondern das Potenzial haben, unsere Fantasie anzuregen, wohin wir den Spieler entwickeln können. Gute Beispiele dafür sind Benni Hübner, Kevin Vogt oder Kerem Demirbay, aber auch Spieler aus der eigenen Akademie wie Dennis Geiger. Wir müssen bei der Kaderplanung immer realistisch bleiben und uns an die Vorgaben des Klubs halten. Wir sind weit weg von den finanziellen Möglichkeiten der Spitzenvereine hierzulande. Es gilt für uns, gute Ideen zu haben und akribisch und fokussiert an unseren Zielen zu arbeiten. Aber das ist für mich auch eine sehr spannende Herausforderung, auf die ich große Lust habe. Die TSG Hoffenheim braucht Transfererlöse, um die Bundesliga sowie die gesamte, außergewöhnliche und moderne Infrastruktur finanzieren zu können. Wir sind nicht der Klub, der anderen die Millionen in die Kassen spült.

Um einer gewissen Langeweile in der Bundesliga entgegen zu wirken, werden die Forderungen nach einem Playoff-System immer lauter. Was halten Sie von solchen Vorschlägen, um die Spannung hochzuhalten und eine Bayern Meisterschaft nicht schon Ende März bis Anfang April erleben zu müssen?

Ich mag die Bundesliga genauso, wie sie ist. Allein durch Playoffs wird die derzeitige Dominanz der Bayern nicht zu brechen sein. Ich befürchte eher, dass die Spannung und die Zuschauerresonanz in der regulären Spielzeit dadurch leiden könnte.

Auf einer Vereinsveranstaltung im Januar sagten Sie, bei einem Titelgewinn mit der TSG laufen Sie nackt durch Sinsheim, dürfen wir Sie beim Wort nehmen?

(lacht) Im Moment laufe ich lieber im Trainingsanzug über den Platz und bereite mein Team konzentriert auf die nächsten Aufgaben vor.